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Samstag, 20 April 2019
Der tropische Regenwald

6 Deutschland und der Regenwald am Amazonas

6.1 Die Rolle Deutschlands bei der Zerstörung der amazonischen Regenwälder

Was hat nun Deutschland mit der Vernichtung der brasilianischen Wälder zu tun? Ist das nicht allein das "Verdienst" Brasiliens?

In den vorhergehenden Kapiteln wurde diese Frage teilweise schon beantwortet, wenn vom Export von Futtermitteln in die EG oder der Rolle der Weltbank beim Bau von Staudämmen im Indianergebiet die Rede war. Hier sollen noch einmal Beispiele genannt und mit Zahlen untermauert werden, die zeigen, wie wir in der Bundesrepublik mit für das Sterben der Regenwälder weltweit und am Amazonas verantwortlich sind.

Im Kapitel 3.2.6 wurde schon einmal das Thema Tropenholz behandelt. Die Bundesrepublik verbrauchte 1984 insgesamt etwa 48 Mill. m3 Rohholzäquivalente. Im selben Jahr wurden 1,7 Mill. m3 Rohholzäquivalente Holz und Holzprodukte aus den tropischen Ländern eingeführt.

Tabelle: Einfuhr von Holz und Holzprodukten aus den tropischen Ländern in die BRD

Jahr Rundholz

%-Anteil

Schnitt-
holz
%-Anteil
Furniere

%-Anteil

Sperr-
holz
%-Anteil
Summe
Rohholz-Äquivalente
cbm(r)
1970
1975
1980
1984
1987
77
57
34
28
20
18
35
51
53
58
3
3
6
8
7
2
5
9
11
15
1.786.000
1.398.000
2.301.000
1.700.000
1.870.000

Quelle: KÜSTERMANN 1990, S. 19

Tabelle: Verbrauch tropischer Hölzer nach Verwendungsarten in der BRD 1984
Edelfurnier 0,120 Mill. m3
Sperrholz 0,065 "
Restholz Sägeindustrie 0,088 "
Bauwesen 0,577 "
Möbel 0,047 "
Holzwaren 0,033 "
Außenverwendung 0,003 "
Restholz Hobelware 0,025 "

Insgesamt 0,938 "

Quelle: KÜSTERMANN 1990, S. 19 aus: "Vorsicht Tropenholz"

Zur Zeit sind es mehr die Länder Afrikas und Südasiens, aus denen Deutschland die Tropenhölzer bezieht, Holz aus Brasilien macht nur einen geringen Teil des Imports aus.

Die umweltschädlichen und kostenintensiven hydroelektrischen Großprojekte im Amazonasgebiet sind nur durch die Gewährung ausländischer Gelder möglich geworden. Aufgrund ihrer Zustimmung zu solchen Krediten und ihrer gewichtigen Rolle innerhalb der Bank - sie besitzt nach den USA und Japan den größten Stimmenanteil - trägt die Bundesrepublik eine besondere Verantwortung für alle Weltbankprojekte. MEYER-PETERS, S.25/26)

Mit 160 Millionen US-Dollar beteiligt sich die Bundesrepublik durch die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau und deutsche Banken an der Ausbeutung der Erzminen im Gebiet Grande Carajas. Gewinner ist die Großindustrie, die über einen langen Zeitraum billig Rohstoffe geliefert bekommt.

Die Rolle Deutschlands in Bezug auf Futtermittelimporte aus Brasilien wurde in vorhergehenden Kapiteln schon eingehend behandelt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Bundesrepublik durch ihr Verhalten in starkem Maße dazu beiträgt, den tropischen Regenwald zu zerstören.


7 Literaturempfehlungen
  • ARA/ INFOE: "Das Regenwald- Memorandum", Mönchengladbach 1989
  • BATES, Marston: "Südamerika: Flora und Fauna", Hamburg 1975
  • BEURLEN, Karl: "Geologie von Brasilien", Stuttgart 1970
  • BLÜTHGEN, Joachim/ WEISCHET, Wolfgang: "Allgemeine Klimageographie", Berlin/ New York 1980
  • BÖRNER, Ulrich: "TRANSAMAZONICA - Hintergründe und Konsequenzen eines Großprojekts im tropischen Regenwald Brasiliens", Zeitschrift für den Erdkundeunterricht Heft 2/3, Berlin 1990
  • BRÜCKNER, Helmut/ GAIDA; Reinhard: "Sind die Böden der feuchten Tropen fruchtbar?", Praxis Geographie Heft 9, Braunschweig 1987
  • BURSCHEL, Peter/WEBER, Michael: "Wald und Treibhauseffekt: Wird die Rolle der Forst- und Holzwirtschaft unterschätzt?", Treibhauseffekt und Wald, Stiftung Wald in Not, 1990
  • COLLINS, J./ MOORE LAPPE, F.: "Vom Mythos des Hungers", Frankfurt/M. 1978
  • CZAYA, Eberhard: "Ströme der Erde", Leipzig 1981
  • ENQUETE-Bericht. Deutscher Bundestag (Hrsg.): "Schutz der tropischen Wälder", Bonn 1990
  • DUTILLEUX, J.P.: "Sting. Der Kampf um den Regenwald", München 1989
  • FABER, G.: "Brasilien: Weltmacht von morgen", Tübingen 1981
  • Gesellschaft für ökologische Forschung (Hrsg.): "Amazonien. Ein Lebensraum wird zerstört", München 1991
  • GRABERT, Hellmut: "Der Amazonas", Berlin/ Heidelberg 1991
  • GUST, Horst: "Der Amazonas", horizont Heft 12, Berlin 1983
  • Haack Geographischer Atlas, Gotha/ Leipzig 1979
  • HAGEMANN, Helmut/ POLLMANN, Uwe: "Zum Beispiel Amazonas", Göttingen 1989
  • HERKENDELL, Josef/ KOCH, Eckehard: "Bodenzerstörung in den Tropen", München 1991
  • HERRNLEBEN, Hans-Georg: "Entwicklungsprogramm 'Grande Carajas'", Praxis Geographie Heft 9, Braunschweig 1986
  • HOHL, Rudolf (Hrsg.): "Die Entwicklungsgeschichte der Erde", Leipzig 1981
  • HOPP, W.:" Amazonien- Atlantis der Zukunft", Berlin 1954
  • HOPPE, Andreas (Hrsg.): "Amazonien: Versuch einer interdisziplinären Annäherung", Freiburg i.Br. 1990, Institut für Ökologie und angewandte Ethnologie e.V.
  • INFOE (Hrsg.): "Thesen: Strategien zum Schutz der tropischen Regenwälder", Mönchengladbach 1990; Institut für Ökologie und Aktions-Ethnologie e.V.
  • INFOE (Hrsg.): "Unterrichtsmaterialien Tropischer Regenwald", Göttingen 1992
  • KAISER, Reinhard (Hrsg.): "Global 2000. Der Bericht an den Präsidenten", Frankfurt/M. 1980
  • KISTLER, Helmut (Hrsg.): "Oberstufen Geographie. Dritte Welt", München 1990
  • KÜSTERMANN, Andreas: "Vorsicht Tropenholz!: Ein praktischer Führer durch Banalitäten und knifflige Details", Stuttgart 1990
  • MEYER-PETERS, Henning (Hrsg.): "Schutz für den Regenwald", Göttingen 1990
  • MÜLLER, Jürg: "Länderprofile: Brasilien", Stuttgart 1984
  • Müller-HOHENSTEIN, Klaus: "Die Landschaftsgürtel der Erde", Stuttgart 1979
  • NEEF, Ernst (Hrsg.): "Das Gesicht der Erde", Frankfurt/M.- Zürich 1968
  • RAHMENRICHTLINIEN Geographie
  • RIEDE, Klaus: "Artentod im Regenwald. Ausmaß und Tempo des Artenschwundes", Ökozid-Magazin Heft 1 1990
  • SCHEFFER, Fritz/ SCHACHTSCHNABEL, Paul: "Lehrbuch der Bodenkunde", Stuttgart 1989
  • SCHERHAG, Richard: "Einführung in die Klimatologie", Braunschweig 1960
  • SCHMIDTKE, Volker: "Entwicklungsland Brasilien", Praxis Geographie Heft 9, Braunschweig 1986
  • SCHMITHÜSEN, Friedrich: "Aktuelle Aspekte der Industrialisierung Brasiliens", Praxis Geographie Heft 9, Braunschweig 1986
  • SCHUMANN, Harald: "Futtermittel und Welthunger. Agrargroßmacht Europa - Mastkuh der Dritten Welt.", Stuttgart 1986
  • SCHWAB, Max/ KUGLER, Hans/ BILLWITZ, Konrad: "Allgemeine Geologie, Geomorphologie und Bodengeographie", Gotha 1982 -SILCOCK, Lisa (Hrsg.): "Der Regenwald. Eine Hommage", Hamburg 1990
  • SIOLI, Harald: "Amazonien. Grundlagen der Ökologie des größten tropischen Waldlandes", Stuttgart 1983
  • WALTER, Heinrich: "Spezielle Ökologie der tropischen und subtropischen Zonen", Stuttgart 1984
  • WALTER, Heinrich/ LIETH, Helmut: "Klimadiagramm-Weltatlas", Jena 1960
  • WEISCHET, Wolfgang: "Einführung in die Allgemeine Klimatologie", Stuttgart 1989
  • WEISE, Herbert: "Brasilien- Wirtschaftliche Grundlagen und Perspektiven", Bremen 1987
  • Worldwatch Institute (Hrsg.): "Zur Lage der Welt 89/90", Frankfurt/M. 1989

8. Arbeitsblatt

Ist der Regenwald zu retten? - Arbeitsblatt

M1
Böden und Kreislaufsystem:

Die Hauptursachen für das Entstehen der tropischen Bodentypen sind die besonderen klimatischen Bedingungen. Durch das immerfeuchte tropische Klima mit den hohen Niederschlägen über das ganze Jahr hindurch und den hohen Temperaturen herrscht eine intensive chemische Verwitterung. Das führt zur Ausbildung tiefreichender Bodenprofile. Wegen der Eisenanreicherung weisen die Böden eine starke rote Färbung auf. Durch die intensive chemische Verwitterung werden die Tonminerale, also die Bodenbestandteile, die die Fähigkeit besitzen Nährstoffe zu binden, sehr stark verwittert. Der vorherrschende Bodentyp ist Laterit (Roterde, LB S. 23).

Der tropische Regenwald kann auf den äußerst nährstoffarmen Böden eine überaus üppige Vegetation mit der höchsten Primärproduktionsrate überhaupt entwickeln, weil fast der gesamte Nährstoffvorrat in den lebenden und gerade abgestorbenen Pflanzen liegt. Alle Abfallstoffe werden von Pilzen und Kleintieren aufbereitet und auf die schnellste Weise in den Stoffkreislauf des Waldes zurückgeführt. Ein Humusspeicher im Boden, wie in unseren Breiten üblich, entsteht daher nicht. Dieser Stoffkreislauf ist außerordentlich schnell, sehr direkt und hat nur geringe Verluste. Man nennt dies einen kurzgeschlossenen Kreislauf.

M2
Gefahren für den Regenwald:

Noch um die Jahrhundertwende waren rund 12% der Erdoberfläche von tropischen Regenwäldern bedeckt. Im Jahre 1980 waren es nur noch 6-7%. Ob im Jahr 2020 überhaupt noch welche existieren werden, ist zur Zeit sehr fraglich. Die Zuwachsrate der Entwaldung steigt nicht mehr gleichmäßig, sondern fast exponential an.

1970 wurde von Brasilien geplant, innerhalb von 10 Jahren etwa 1 Million Familien entlang der Transamazonica, einer Fernstraße, anzusiedeln. Im Endeffekt waren es zu diesem Zeitpunkt aber nur 7.000 Familien. Die Gründe dafür lagen in organisatorischen Mängeln und besonders in der mangelnden Qualität des Bodens, der eine dauerhafte Nutzung mit stabilen Erträgen nicht zuläßt (siehe M8).

Der Brandrodungsackerbau spielt heute eine nicht zu unterschätzende Rolle. Kleinbauern dringen auf neugebauten Straßen und Holzeinschlagsschneisen als Pioniere weiter in den Regenwald vor. Sie verbrennen die Vegetation, pflanzen 3-4 Jahre Gemüse an und ziehen dann weiter, da die Erträge so weit absinken, daß sie nicht einmal mehr fürs Überleben ausreichen.

Die Brandrodung geschieht zum einen Teil durch umherziehende Siedlerfamilien, die aufgrund der Bevölkerungsexplosion und fehlender Reformen in der Landwirtschaft in diese Gebiete gedrängt werden und versuchen, dort ihr Überleben zu sichern, sei es auch immer nur für drei oder vier Jahre.

Meist folgen Großgrundbesitzer, die das Land billig erwerben und auf riesigen Flächen Rinderzucht oder Plantagenwirtschaft (Monokulturen) betreiben. Die Erträge gehen oft in den Export (z.B. EG), während die einheimische Bevölkerung hungert.

Seit Beginn der 80er Jahre tritt ein neuer Faktor der Regenwaldzerstörung auf den Plan, der innerhalb von 30 Jahren ein Gebiet von der Größe der alten Bundesländer zerstören soll - der Bau von riesigen Staudämmen zur Elektroenergieerzeugung.

Im Bereich des brasilianischen Regenwaldes sind in den letzten Jahrzehneten riesige Erzlagerstätten entdeckt worden. Ihre Ausbeutung verschlingt riesige Mengen der Regenwaldfläche.

Der kommerzielle Holzeinschlag ist weltweit nach der Brandrodung die wichtigste Ursache für die Zerstörung der Regenwälder. Nach Angaben der Weltbank ist der kommerzielle Holzeinschlag verantwortlich für die alljährliche Vernichtung von 5 Millionen Hektar Tropenwald weltweit. Die Hölzer gehen meist in den Export werden in der Säge-, Furnier-, Zellstoff- und Papierindustrie weiter verarbeitet. Der größte Teil des Holzes geht nach Nordamerika und Japan.

Holzeinschlag und Brandrodung führen dazu, daß die Pflanzen (Nährstoffspeicher) vernichtet werden. Zwar bleibt bei der Brandrodung fruchtbare Asche zurück, jedoch wird die Humusschicht des Bodens zerstört. Damit sterben Bakterien und Pilze und der Nährstoffkreislauf ist unterbrochen. Auf den fast nackten Boden treffen die Niederschläge mit voller Wucht auf, so daß die in der Asche vorhandenen Nährstoffe sehr schnell ausgewaschen werden. Das Regenwasser wird nicht mehr durch die Blätter der Pflanzen aufgehalten, es erreicht den Erdboden und fließt oberflächlich ab. Der Boden wird abgespült.

Kohlendioxid macht etwa die Hälfte der künstlichen Treibhauswirkung aus. Diese kann durch Industrieabgase und Brandrodung freigesetzt werden. An zweiter Stelle folgt Methan, daß bei der Verdauung im Magen der Tiere gebildet wird.

In der Zeit in der Sie diesen Text gelesen haben wurden wieder ca. 40 Hektar Regenwald zerstört.

M3
Nutzung von Tropenhölzern für:

-Möbel, Fensterrahmen, Fußböden
-Holzbrettchen
-Bauholz, Zaunpfähle, Kistenbretter
-Besenstiele, Bürstengriffe
-Papier
-Schaltknaufe für Autos

M4
Zitat:

"Eine notwendige Schlußfolgerung ist, daß der Wald de facto nur auf, aber nicht aus dem Boden wächst, daß er diesen vielmehr nur als Substrat für seine mechanische Fixierung anstatt als Nährstoffquelle benutzt und statt dessen in einem geschlossenen Nährstoffkreislauf lebt." Sioli (1983)

M5
Zeitungsnachrichten:

Stendaler Nachrichten

02.12.1997: "Klimagipfel beginnt mit Schlagabtausch ... Während die EU eine Senkung der Emissionen (CO2 -der Verf.) um 15 Prozent bis zum Jahr 2010 fordert, wollen die USA den Ausstoß der Treibhausgase zwischen 2008 und 2012 lediglich einfrieren. Als Basisjahr gilt für alle Vorschläge 1990"

Stendaler Volksstimme 02.12.1997: "Der Streit .. hat gestern deutlich gezeigt, worin noch immer das größte Problem besteht, wenn es um die Reduzierung von Treibhausgasen geht: in der Bereitstellung von Geld, mit dem die erforderlichen technischen Anpassungen und Modernisierungen bezahlt werden müssen."

M6
Aufgaben:

a) Beschreiben Sie den Vegetationsaufbau des tropischen Regenwaldes und erklären Sie mit Hilfe der klimatischen Verhältnisse die Eigenschaft "immergrün".

b) Nehmen Sie Stellung zum Zitat von Sioli (M4) und erklären Sie den Sachverhalt mit Hilfe der Erläuterungen in M1.

c) Begründen Sie die sinkenden Erträge bei Kulturpflanzen in den feuchten Tropen (siehe M8).

d) Begründen Sie, warum die Tropen nicht zu den Kornkammern der Menschheit werden können!

e) Nehmen Sie Stellung zur These "Wenn nicht sofort geeignete Maßnahmen zum Schutz der Regenwälder eingeleitet werden, wird eine Rettung des Ökosystems Regenwald immer unwahrscheinlicher."

f) Nehmen Sie Stellung zur Aussage von Junk (M9) und bewerten Sie die Maßnahmen.

M7
Grundbegriffe:

Brandrodung: Abbrennen von Waldflächen in den tropischen Regenwäldern und Savannen, um Ackerflächen zu gewinnen. Diese werden danach entweder im Wanderfeldbau oder im Dauerfeldbau genutzt.

Monokultur: Großflächiger und langjähriger Anbau nur einer bestimmten Kulturpflanze.

Tropischer Regenwald: Immergrüner und artenreicher Waldtyp der immerfeuchten Tropen mit einem ausgeprägten Stockwerkbau. Wichtiger Sauerstofflieferant und Klimaregulator der Erde. Von der Biomasse der Erde entfallen ca. 55% auf die tropischen Regenwälder

M8
Abbildung M8: Vergleich des Ertrages nach Anbaujahren

M9

"Wie wollen wir... unseren Kindern auf die Dauer glaubwürdig erklären, wir hätten von den Umweltproblemen ... nichts gewußt, oder wir wären machtlos gewesen, etwas dagegen zu tun, oder wir hätten das tatsächlich ... Mögliche getan, um die sich in den Tropen anbahnenden Umweltkatastrophen zu verhindern, die ... unser aller Zukunft bedrohen??!! Vor dieser Frage können wir uns nicht drücken."
Junk (1989)

Maßnahmen:
- keine Verwendung von Tropenhölzern
- weniger Fleisch essen, insbesondere von Herstellern, die ihre Viehherden in den Tropen mästen (McDonalds)
- Teilnahme an Aktionen von Umweltschützern (Kauf eines Stückes Regenwald)

5 Weltweite Auswirkungen der Vernichtung der tropischen Regenwälder
5.1 Die Bedeutung der tropischen Regenwälder für den globalen Klimakreislauf

Die klimatische Bedeutung der tropischen Regenwälder ergibt sich in dreierlei Hinsicht. Von ihrer flächenhaften Ausdehnung hängt der Albedo-Wert ab, die Quantität der Biomasse bestimmt die Menge des gebundenen Kohlenstoffs und die Wasser- und Wärmeströme der Regenwälder haben Einfluß auf die globalen Wasser- und Wärmezyklen.

Die Intensität der Abstrahlung steigt mit der entwaldeten Fläche, was normalerweise abkühlend auf die Erdoberfläche wirken würde. Ein Teil der Strahlung wird durch den natürlichen Treibhauseffekt zurückgehalten, der Rest verschwindet wieder im Weltraum. Allerdings kann diese Strahlung im Infrarotbereich verstärkt absorbiert werden, wenn sich in der Erdatmosphäre der Anteil der Spurengase (Kohlendioxid, Methan, Distickstoffoxid), die für die Reflexion der langwelligen Strahlung verantwortlich sind, erhöht. Diese Erscheinung, der antropogen bedingte Treibhauseffekt, ist zur Zeit zu beobachten.

Hervorgerufen wird dieser Vorgang durch den verstärkten Eintrag von Spurengasen in die Atmosphäre. Eine große Rolle spielt dabei das Kohlendioxid. Im Zuge der Verbrennung von Biomasse bei der Zerstörung der tropischen Regenwälder werden große Mengen Kohlendioxid freigesetzt.

Die Netto-CO2-Emissionen durch die Abholzung tropischer Wälder werden für das Jahr 1980 auf 1,5+/-1,0 Milliarden Tonnen Kohlenstoff geschätzt. Das sind etwa 10-30% Anteil an der gesamten antropogenen CO2-Emission.

Sieht man sich die seit 1980 stark gestiegene Entwaldungsrate der tropischen Wälder an, so kann man sich vorstellen, welche Mengen Kohlendioxid heute bei der Verbrennung dieser Wälder entstehen.

Das Methan (CH4) zählt ebenfalls zu den klimawirksamen Gasen und spielt beim Treibhauseffekt eine große Rolle. Mit einer jährlichen Emission von 530 Millionen Tonnen CH4 ist der antropogene Anteil fast doppelt so hoch wie der natürliche. Große Mengen Methan entstehen z.B. bei der Verbrennung von Biomasse, bei der Anlage von Stauseen, Reisfeldern und Großviehfarmen. Der abgebrannte Tropenwald ist damit nicht nur einmaliger CO2-Lieferant, sondern auch ständiger CH4- Produzent.

Für das globale Klima ist der Regenwald im hydrologischen Zyklus und im Wärmekreislauf sehr bedeutsam. Amazonien fungiert in diesem System als Wärmequelle für andere Weltregionen.

Bei der Evapotranspiration steigt heiße und feuchte Luft in die Höhe (ca.10 km), die zur Erwärmung der Atmosphäre beiträgt und zum Teil auf niedrigeren Schichten durch kältere ozeanische Strömungen ersetzt wird.

Amazonien ist also neben dem Kongobecken und der südostasiatischen Inselwelt ein bedeutender Wärmelieferant in der atmosphärischen Zirkulation der Erde. Die großflächigen Entwaldungen könnten diesen Ablauf empfindlich stören. Mit dem Rückgang der Evapotranspiration könnten die Regenfälle abnehmen und mit ihnen der Wärmeaufstieg, was einen Abkühlungseffekt in den gemäßigten Breiten und den Polargebieten zur Folge hätte.

Treibhauseffekt versus Abkühlungseffekt - bleibt das Klima wie es ist?

5.2 Lokale und globale Auswirkungen der Regenwaldzerstörung

Die im folgenden angeführten Punkte sind keine apokalyptischen Spekulationen, sondern Positionen, die mittlerweile von zahlreichen Wissenschaftlern vertreten werden, wenn es darum geht, die ökologischen und ökonomischen Konsequenzen der derzeitigen "Regenwald - Politik" deutlich zu machen.

Holzeinschlag und Brandrodung führen dazu, daß die Humusschicht des Bodens zerstört wird. Damit sterben Bakterien und Pilze ab, die nährstoffsammelnden und -filternden Mycorrhizae funktionieren nicht mehr, der Nährstoffkreislauf ist unterbrochen. Auf den fast nackten Boden treffen die Niederschläge mit voller Wucht, so daß die in der Asche vorhandenen Nährstoffe sehr schnell ausgewaschen werden.

Der verbleibende Rest wird oft durch Monokulturen, den Anbau von Futtermitteln oder Weidewirtschaft exportiert.

Durch Wasser- und Winderosion werden große Teile der Bodenschicht abgetragen. Erosion und Bodenverdichtung führen außerdem zur Strukturverschlechterung und damit zu geringerer Durchlüftung der Böden. Die intensive Sonneneinstrahlung führt in den gerodeten Gebieten zu einem starken Anstieg der Bodentemperaturen, zusätzlich begünstigen erhöhte Windgeschwindigkeiten eine stärkere Austrocknung der Böden. Nach Abtragung der oberen Bodenschichten durch Erosion kommt es zur Rinnenbildung; innerhalb weniger Jahre entsteht ein Pflaster aus ziegelsteinähnlichem Laterit, nacktem Fels und minderwertigem Boden.

Niederschläge fließen fast nur noch oberirdisch ab, es besteht akute Gefahr von Hang- und Bergrutschen sowie Hochwassern, besonders in den Regenzeiten. Durch die Verringerung der Wasserspeicherkapazität der Vegetation werden die Flüsse stärker von den Niederschlagsregimes geprägt; im Sommer trocknen sie mehr aus, im Winter führen sie große Mengen Wasser mit sich.

Mit der Vernichtung der Vegetation findet keine Evapotranspiration statt, der kleine Wasserkreislauf bricht zusammen, es bilden sich weniger Wolken, die Niederschläge werden seltener, dafür aber intensiver, wenn sie fallen.

Durch die Vereinfachung der Struktur eines entwaldeten Bodens nimmt auch die Albedo deutlich zu.

Winde werden nicht mehr durch die Vegetation gehemmt, die Gefahr von Wirbelstürmen verstärkt sich. Außerdem verstärken sie erheblich die Staubentwicklung und damit den Gehalt der Atmosphäre an Spurengasen, organischen und anorganischen Partikeln.

Es wird erheblich weniger Wasser und Verdunstungswärme in das Hinterland und in höhere geographische Breiten transportiert. Die Veränderung des Wärme- und Wasserkreislaufs kann eine Störung der atmosphärischen Luftmassen-Zirkulation nach sich ziehen, die zeitlichen und geographischen Regenfall-Muster können sich infolgedessen beträchtlich verschieben. Resultat wäre eine Abkühlung in den gemäßigten Breiten und Polargebieten.

Mit den gegenwärtigen Entwaldungsraten in den Tropen werden jährlich mehr als eine Milliarde Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre freigesetzt.

Dazu kommen noch größere Mengen an Methan, wenn der Wald durch Viehweiden ersetzt wird, da Rinder bei Verdauungsprozessen große Mengen an Methan freisetzen.

Sowohl Kohlendioxid als auch Methan sind Spurengase, die ganz erheblich zur Verstärkung des antropogenen Treibhauseffektes beitragen. Folge wäre ein Anstieg der Temperaturen weltweit.

Diese gedankliche Kausalkette der Folgen ist möglich, muß aber nicht zwingend so eintreten. Sehr viele andere Faktoren können hier mit reinspielen. Aber es ist klar zu sehen: Größere Klimaveränderungen sind wahrscheinlich. Wie sich die einzelnen Faktoren aber zueinander verhalten werden, ob sie sich aufheben oder verstärken, kann zur Zeit kein Mensch mit Sicherheit sagen.

5.3 Ökozid, Genozid, Ethnozid - Weitere Folgen der Vernichtung der Regenwälder

Bisher wurde meist vom Regenwald als Ganzem gesprochen. Hier soll noch einmal auf einzelne Aspekte der Vernichtung dieses einzigartigen Ökosystems und seiner Bewohner eingegangen werden.

Der Regenwald bietet ein unermeßliches Potential an genetischem Material. Wenn man sich einmal vergegenwärtigt, daß die Ernährung der Menschheit zur Zeit im Wesentlichen an etwa 15 Pflanzen hängt, kann man ermessen, welche Bedeutung dieser Fakt haben kann. Durch Kreuzung mit Wildformen ist es möglich, verschiedene Eigenschaften, wie Resistenz gegenüber Schädlingen, neu zu beleben.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Verwendung in der Medizin und Pharmazie. Nur ein verschwindend geringer Teil der Pflanzen wurde bisher daraufhin untersucht. Das klassische Beispiel ist das "Rosige Immergrün", eine Pflanze aus dem tropischen Regenwald. Vier von fünf an Leukämie erkrankten Kindern können überleben, seit aus dieser Pflanze ein Medikament hergestellt werden konnte.

Im untrennbaren Zusammenhang mit der Vernichtung des Regenwaldes steht die Ausrottung ganzer Völker, Stämme und damit auch Kulturen. Das Wissen um die Natur, daß mit diesen Menschen verlorengeht, ist unersetzlich.

Doch ist es das richtige Herangehen an die Frage des Schutzes der tropischen Regenwälder, wenn wir nur immer unseren Vorteil sehen? Wollen wir Natur und Völker nur schützen, um sie auszunutzen, sei es als wissenschaftliches Objekt oder Ware?

Hier muß ein großer Umdenkprozeß einsetzen.

Peter E. Stüben, Gründer des Institutes für Ökologie und angewandte Ethnologie, schreibt dazu: "Aber es gibt sie bereits: Jene Advokaten unter den Ethno- und Ökologen, die längst begriffen haben, daß sie sich in den Dienst der vom Ökozid bedrohten belebten und unbelebten Natur begeben müssen, denn nur in dieser Koalition werden sie letztlich erfolgreich sein."MEYER-PETERS, S.93/94)

Natur schützen mit dem Ziel, sie doch irgendwann wieder nur zu gebrauchen, heißt die Vernichtung nur aufzuschieben, aber nicht aufzuheben.

Last Updated ( Montag, 24 September 2007 )